Fünf Fragen an Thea Francke

Die Menschen hinter dem Mediationstag: Thea Francke

Wir möchten Ihnen gerne einen Eindruck von den Menschen geben, die den Mediationstag 2019 gestalten werden. Dazu haben wir unseren Referentinnen und Referenten fünf Fagen gestellt. Viel Spaß beim Nachlesen!

Thea Francke vor braun und grau gemustertem Hintergrnd stehend

Bitte stelle Dich kurz vor. Solange ich mich erinnern kann, interessiere ich mich dafür, wie Menschen miteinander reden. Ich selbst frage im Gespräch viel nach, weil ich verstehen möchte.

Wie können wir durch unserer Haltung und Kommunikation Verantwortung für eigenes Handeln übernehmen und wie kann Verständigung auch bei kontroversen Anliegen funktionieren?

Die Ausbildung zur Mediatorin hat sich für mich also fast von selbst ergeben.

Als Mediatorin bin ich in eigener Praxis tätig. Besonders am Herzen liegt mir die elder mediation. In Familien können dort Anliegen und Konflikte rund ums Älterwerden thematisiert werden. Da geht es z. B. um die Organisation der elterlichen Pflege unter Geschwistern oder um Konflikte, die schon weit zurückliegen und nun behutsam bearbeitet werden wollen.


Wo hast Du selbst Berührungspunkte zur Konfliktbewältigung? In erster Linie in meiner Familie, mit Freunden und natürlich bei mir selbst. Es ist gar nicht leicht, Konflikte anzupacken und den Mut zu finden, sie anzusprechen.

Bei den Anliegen, die ich mediiere, geht es fast ausschließlich um Konflikte – innere Konflikte, schlechte Stimmungen, Beziehungskonflikte, Teamkonflikte, Entscheidungskonflikte, Gerechtigkeitskonflikte.

In der Mediation rege ich an, anders zuzuhören und auch mal die Perspektive zu wechseln. Wenn erst einmal Verständnis für die Interessen der Konfliktpartner da ist, ist der Weg für gute Lösungen offen.

Manchmal fragen Menschen auch präventiv nach einer Mediation, um Konflikte im Vorfeld zu vermeiden – z.B. bei einer Erbschaftsmediation, um den Familienfrieden zu sichern. Oder um ein Familienunternehmen geordnet an die nächste Generation weiterzugeben.

Welches Thema möchtest Du uns beim Mediationstag näher bringen? Im Konflikt verengt sich häufig unser Blickwinkel. Wir nehmen unser Gegenüber mit zusammengekniffenen Augenwahr und bestehen auf unseren Positionen. Je länger der Konflikt anhält und je heftiger er verläuft, desto kleiner kann unser Fokus werden.

Wenn wir stattdessen den Blick darauf richten, welche Bedürfnisse hinter den Standpunkten stehen, können wir uns wieder annähern. Denn alle Menschen haben ähnliche Bedürfnisse – denken wir zum Beispiel an Anerkennung, Sicherheit oder Freiheit.

In dem Filmworkshop am Mediationstag möchte ich genau diesen Blick hinter die Worte anregen und mit den Teilnehmern üben, die Bedürfnisse zu lesen.


Was ist Deiner Meinung nach für ein friedliches Zusammenleben hilfreich? Auch wenn es wie ein Widerspruch klingt: Zunächst einmal ist es Voraussetzung für ein friedliches Miteinander, ob in Familien, unter Freunden oder draußen in der Gesellschaft, Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg zu gehen und seine Standpunkte überhaupt zu vertreten. Den Diskurs zu suchen und sich nicht nur zu empören.

Vor allem aber halte ich es für sehr hilfreich, gut zuzuhören: Wissen wollen, was im Anderen vorgeht. Im Kontakt sein. Bereit sein, dem anderen zu verzeihen. Und in der Regel von guten Absichten ausgehen.


Wenn Du die Möglichkeit hättest, eine konkrete Veränderung in unserer Gesellschaft maßgeblich zu bestimmen, was wäre Dein Projekt? Angesichts der großen Herausforderungen unserer Zeit – Ökologie, Weltfrieden, Globalisierung, Digitalisierung etc. – wünsche ich mir, dass unsere Kinder bestmöglich gerüstet sind, um diese Themen mutig anzupacken und kreative Lösungen zu finden.

Doch was benötigen sie dafür? Ich meine, sie brauchen Freiheit, kreativ zu denken und eigene Lösungen auszuprobieren. Sie brauchen Selbstbewusstsein und das Vertrauen, aus eigener Kraft etwas ändern zu können.

Schulen sollten Kinder darin unterstützen, diese Fähigkeiten, mit denen sie schon auf die Welt kommen, zu erhalten und zu fördern. Unser bestehendes Schulsystem stelle ich diesbezüglich von Grund auf in Frage.

Ich möchte einen Diskurs in unserer Gesellschaft über folgende Fragen:

Was wollen wir unseren Kindern vermitteln?

Und: Können in einem hierarchischen und bewertenden System überhaupt frei denkende Menschen erzogen werden?

——————————————————

Sie haben Lust auf den Mediationstag 2019 bekommen?  Hier finden Sie das gesamte Programm